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1945 - 1997

Vom Philosophie-Dozenten zum hochgeehrten Professor und Publizisten

Lehr- und VortragstätigkeitJosef Pieper in den 90er Jahren
Pieper hat es verstanden, Akademiker und Nichtakademiker für die Philosophie zu begeistern. "Offenbar interessierte die Leute das, was ich erzählte. Ich habe immer versucht, keine Fachphilosophie zu betreiben, sondern aufzugreifen, was die Studenten bewegte", erklärte er selbst einmal seine Anziehungskraft. Seine seit 1946 gehaltenen Vorlesungen gehörten zu den Veranstaltungen mit dem größten Hörerandrang.
Aber: "Die Philosophen und Fachleute haben mich ignoriert, weil sie gesagt haben: ‚Den kann man ja verstehen‘." Professor Maier drückte dies positiv aus: "Das Deutsch dieses Philosophen quält den Leser nicht." Pieper habe die Wahrheit zum Sprechen gebracht. "Und er lässt uns miterleben, wie die Weisheit der Alten – gerade wenn man sie nicht technisch und funktional gebraucht – uns an Einsicht und Erfahrung reicher macht."

Blick auf Elte - Historische Ansicht mit Skulptur

 

 

 

 



Anekdoten
aus ‚Rheine Gestern Heute Morgen’ Nr. 1/91 von Werner Overesch

Nicht nur in den autobiographischen Aufzeichnungen, auch in den philosophischen Schriften finden seine Kinderjahre, Brauchtum und Lebensgewohnheiten des Dorfes Elte in kleinen Reflektionen ihren ergänzenden Niederschlag. Seiner Herkunft aus Elte erinnert er sich und auch andere gerne.1987 - Staatspreis NRW aus den Händen von Ministerpräsident Joh. Rau

Als bei der Verleihung des Staatspreises Nordrhein-Westfalen der Ministerpräsident Johannes Rau verwundert fragte: „Elte, wo liegt das eigentlich?“, habe er dem Rau das unmissverständlich beigebracht. Der Ministerpräsident wisse jetzt, wo Elte liege.

Bei der Verleihung des Staatspreises der Republik Österreich sollte auch eine kleine Applikation an das Revers des Geehrten geheftet  werden. Das Knopfloch war aber zugenäht. Für einen Philosophen, der seit seiner Kindheit in Elte den Wert des Taschenmessers einzuschätzen wusste, war dies kein Problem. Er zückte sein Taschenmesser und mit ministrieller Hilfe wurde das Problem ad-hoc gelöst.

Während eines Interviews in der Fernsehsendung „Zeugen des Jahrhunderts“, in der Professor Pieper vorgestellt wurde, fragte man ihn, was ihn heute noch besonders an das Dorf Elte erinnere. Pieper sagte: „Es ist der Geruch des Dorfes. Gerade im Geruch des Dorfes sei der jahreszeitliche Wechsel intensiv festzustellen.

Heimat ist ihm kein ideologischer Begriff, sondern etwas Gewachsenes aus seinem Werdegang und dem intensiven Erleben des Menschen und der Landschaft. Er selber habe nur ein einziges Mal wirklich die Versuchung verspürt, Deutschland zu verlassen. Das war im Jahre 1950 kurz nach Ausbruch des Korea Krieges. Im Sommer 1950 war er mit dem Fahrrad unterwegs, den Rhein hinauf. An einem späten Samstagnachmittag habe er in Ingelheim auf einer Terrasse gesessen und den roten  Wein getrunken, der dort wächst. Und während er so ruhig dasaß drang Glockengeläut über den Rhein herüber zu ihm. In diesem Augenblick habe er den Entschluss gefasst: dieses Land wirst du niemals verlassen! Noch am selben Abend habe er noch an eine amerikanische Universität geschrieben „Ich komme nicht!“. Aber er habe mit keiner Silbe über das Glockengeläut reden können, obwohl es für ihn, wenn nur ein Symbol, doch ein entscheidendes Argument war. Er wusste ja, dass in Amerika Glockengeläut weithin verboten ist.

Aber auch hier, in diesem Lande, hat es immer ein geheimes Motiv gegeben, von dem er nicht sprechen mochte oder konnte. „Es war mir nicht möglich, einen Garten zu verlassen, in dem ich selber Bäume gepflanzt habe, nicht nur Obstbäume, sondern auch einen Ginkgo-Baum, über dessen Blatt Goethe ein wunderbares Liebesgedicht gemacht hat.“
 
„Der Baum ist übrigens ein Symbol, dass mir immer lieb gewesen ist. Ich bin ja keineswegs immer am gleichen Ort geblieben. Wie der Baum, weil er seine Wurzeln tief in das Erdreich hinuntertreibt, gerade deswegen auch weit ausladend seine Krone entfalten kann, so haben auch mich die Reisen in andere Länder und in andere Erdteile, - dessen bin ich sicher – nicht aus diesem Lande zu entwurzeln vermocht.“

Ehrungen und Auszeichnungen
1981   Romao Guardini Preis
1982   Internationaler Balzan Preis
1987   Ingersoll Prize für wissenschaftliche Prosa
1987   Staatspreis des Landes NRW
1990   Verleihung der goldenen Stadtmedaille
1990   Verleihung Österreichischer Staatspreis
1994   Verleihung des Bundesverdienstkreuzes
1994   Ehrentafel Elte
1994   Glückwunsch Papst Johannes Paul II.