Im Westen nichts Neues

-kwa- Rheine-Elte. „Zunächst bestimmt noch Hochdruckeinfluss mit warmer Luft das Wetter in Nordrhein-Westfalen. Es sickert aber etwas feuchtere, ab Dienstag von Nordwesten her auch etwas kühlere Luft ein. In der Nacht zum Dienstag und am Dienstag werden keine warnrelevanten Wettererscheinungen erwartet“, lautete die nüchterne Meldung des Deutschen Wetterdienstes für den Pfingstmontag 2012.

RingelspinnerAlso, rein in die Wanderschuhe, einen kleinen Rucksack mit kühlen Getränken gepackt und raus in die Natur Eltes bei heiteren 26 °C Lufttemperatur. Gegen 9.30 Uhr weht uns ein erfrischender Wind entgegen, als wir Elte in Richtung Osten verlassen. Es gibt viel zu sehen. Volle Gersten- und Roggenfelder wiegen sich sanft im Wind. Kleine Maispflanzen lassen erahnen, dass so mancher Wirtschaftsweg in nur wenigen Wochen zu einer grünen Schlucht heranwächst. Die Wegesränder sind voll mit blühenden Gräsern und Pflanzen, deren Blüten in der Sonne ansehnlich leuchten. Die Raupe eines Ringelspinners, das ist ein kleiner Nachtfalter, „schaut“ mit ihrer grau-braunen Zeichnung vermeintlich verdutzt von der Wand eines Bildstockes.

Und nur wenige hundert Meter weiter sitzt eine Riesenholzwespe am Wegesrand. Die Wespenart ist trotz Riesenholzwespeseiner imposanten Größe von bis zu 4 Zentimetern und dem unübersehbaren Legebohrer für Menschen und für Tiere völlig ungefährlich, denn sie ernährt sich von Holzsäften. Weiter geht es durch Wiesen und Wälder. In einem Wäldchen erregt die Raupe eines Schwans (Euproctis similis) nun meine Aufmerksamkeit. Seltsam behaart und in tollen Farben lässt sie sich von mir nicht stören. Aus ihr wird ein Schwan werden, ein Nachtfalter der Familie der Eulenfalter. Ich wünsche ihr eine angenehme Metamorphose und begebe mich auf die weitere Erkundung der Elter Natur.

Raupe des SchwanDie Gräser des Waldbodens glitzern im Gegenlicht satt grün und wir passieren die Reste der so genannten „Spinne“ im Wilden Weddenfeld. In den 50er Jahren wurden Aufforstungen in diesem Gebiet teils wieder vom Sand der Dünen überweht, was zu seltsam verwachsenen Kiefern oder Eichen führte. Die frei gewehten Wurzeln der „Spinne“ ähneln Spinnenbeinen. Heute sind nur noch einige Reste zu entdecken, da der urig gewachsene „Spinnenbaum“ inzwischen den Kampf gegen die Natur verlor. Wieder einige hundert Meter Adonislibelleweiter umschwirrt uns schwankend eine rote Stecknadel. Als sie sich endlich setzt, ist sie als Frühe Adonislibelle mit rotem Hinterleib und schwarzen Beinen auszumachen. Gerade konnte ich die Kamera noch auslösen, als sie schon wieder abhebt und uns mit dem Wind verlässt. Etwas verschwitzt aber entspannt traten wir den Heimweg an.

Einmal mehr zeigte sich an diesem schönen Tag, wer genau hinsieht, wird erkennen, mit welcher Artenvielfalt wir in Elte beschenkt sind. Wenn Du unsere Natur besuchst, dann schaue lieber genau hin, denn Überschriften lauten häufig nur „Im Westen nichts Neues“.

Text und Bilder: Klaus Wamelink
28.5.2012