{"id":366,"date":"2025-10-27T12:52:29","date_gmt":"2025-10-27T11:52:29","guid":{"rendered":"https:\/\/heimatverein-elte.de\/?page_id=366"},"modified":"2025-10-30T12:53:39","modified_gmt":"2025-10-30T11:53:39","slug":"splenterkotten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/heimatverein-elte.de\/?page_id=366","title":{"rendered":"Splenterkotten"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:auto 30%\"><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Der Gasthof \u201eZum Splenterkotten\u201c in Elte ist \u00fcber die Grenzen des Dorfes hinaus bekannt. F\u00fcr viele Radfahrer und Autoreisende ist diese Gastst\u00e4tte ein beliebtes Ziel. Aber auch den Elteranern ist der Splenterkotten von jeher ein beliebtes Forum, wo man einfach mal auf ein Bier hingeht, Bekannte trifft und auch noch Platt \u201ek\u00fcert\u201c; wo man sich versammelt und mit der Familie und den Freunden feiert.<br><br>Das fast 250 Jahre alte Geb\u00e4ude pr\u00e4gt das Dorfbild. Es ist eins der wenigen Fachwerkbauten in Elte, die noch erhalten sind. Wer auf dem Dorfplatz steht und vom \u201eKotten\u201c rechts hin\u00fcberschaut zur Kirche, wird feststellen, dass hier noch eine gewisse Reihung von alten Geb\u00e4uden vorhanden ist: hinter dem Splenterkotten das alte Lehrerhaus (Geburtshaus von Josef Pieper) von 1864 und dem gegen\u00fcber die alte Dorfkirche von 1684. Der Kotten selbst datiert von 1764, wie man auf dem Torbogen der \u201eNiend\u00fc\u00f6r\u201c ablesen kann:<br><br><strong>1764 DEN 1TEN MART ABGEBRANNTDEN 19TEN JUN AUFGEBAUETHENRICH ABELER MARIA+RICHTER EHELEUTE10 HANGOCKING T.M.<\/strong><br><br>Dieser repr\u00e4sentative Torgiebel steht heute unter Denkmalschutz. An ihm kann man den urspr\u00fcnglichen Baustil und die Geschichte des Hauses ablesen. Der Grundriss des Hauses von 1764 ma\u00df in der L\u00e4nge 28 m und in der Breite 12 m. Vier St\u00e4nderreihen, im Innern heute nicht mehr erkennbar, tragen Balkendecke und Dach. Die Niend\u00fc\u00f6r f\u00fchrte auf die Tenne (up de Di\u00e4ll), die mit den St\u00e4llen auf beiden Seiten fast zwei Drittel des Hauses ausmachte. Auf dem Dachboden wurde die Ernte gelagert. Von der Tenne gelangte man in die K\u00fcche, auch Flett genannt. Hier war das Herdfeuer, und dahinter, am Ende des Hauses, lagen Keller und Upkammer, die heute noch vorhanden sind. Alles in allem ein stattliches Bauernhaus im Stil der damaligen Zeit. Immerhin, der Inhaber Henrich Abeler betrieb schon vor dem Brand am 1. M\u00e4rz 1764 einen Ausschank. Eine Urkunde im Pfarrarchiv Elte belegt, dass im Siebenj\u00e4hrigen Krieg (1756-1763) franz\u00f6sische Soldaten und preu\u00dfische Werber hier eingekehrt waren. Und da diese die Zeche nicht bezahlt hatten, richtete der \u201eWirth\u201c Henrich Abeler die Rechnung an den Freiherrn von Twickel, den zust\u00e4ndigen Amtsdrosten zu Rheine-Bevergern. Wohl um 1780 bekam Abeler, wie andere \u201eWirthe\u201c auch, offiziell die Konzession, ein Wirtshaus betreiben zu d\u00fcrfen, und ebenso die Auflage, eine Bezeichnung anzubringen. So erhielt diese Schankwirtschaft, die lange nicht \u00fcber den Ruf einer Bauernkneipe hinauskam, den Namen: To de olle B\u00f6rse. Noch vor hundert Jahrenpr\u00e4sentierte sich das Anwesen im Bild als Bauernhof &#8211; eine d\u00f6rfliche Idylle.<br><br>Es ist sicher spannend, in diesen alten Gem\u00e4uern zu kl\u00f6nen, zu tafeln und zu feiern. Doch spannend ist es auch, der Geschichte des Hauses und seiner Bewohner nachzugehen. Das haben wir vom Heimatverein Elte am \u201eTag des offenen Denkmals\u201c im September 2009 mit Hilfe einer Ausstellung und F\u00fchrung angeboten. Es gibt reichlich Quellenmaterial, das bereits sehr eingehend von der \u201eUhrmacher- und Goldschmiedefamilie Abeler\u201c 1998 in einem dreib\u00e4ndigen Werk \u201eChronik Abeler\u201c wiederzufinden ist. Die Vorfahren dieser Familie stammen aus diesem Haus: Georg Abeler, 1819 in Elte geboren, wurde Lehrer; sein Sohn Heinrich, Feinuhrmacher und Juwelier, begr\u00fcndete die weithin bekannte Uhrmacherdynastie.<\/p>\n<\/div><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"224\" height=\"338\" src=\"https:\/\/heimatverein-elte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Splenterkotten_kwa_2008_2.jpg\" alt=\"Giebelspr\u00fcche\" class=\"wp-image-383 size-full\" srcset=\"https:\/\/heimatverein-elte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Splenterkotten_kwa_2008_2.jpg 224w, https:\/\/heimatverein-elte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Splenterkotten_kwa_2008_2-199x300.jpg 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 224px) 100vw, 224px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:30% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"451\" height=\"299\" src=\"https:\/\/heimatverein-elte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Splenterkotten_kwa_2008.jpg\" alt=\"Splenterkotten 2008\" class=\"wp-image-382 size-full\" srcset=\"https:\/\/heimatverein-elte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Splenterkotten_kwa_2008.jpg 451w, https:\/\/heimatverein-elte.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Splenterkotten_kwa_2008-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 451px) 100vw, 451px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>J\u00fcrgen Abeler, einer der Nachfahren, fand heraus, dass die Abelerfamilie bereits vor 1520 auf diesem Hof sa\u00df. Der erste Abeler ist offensichtlich damals von seinem Grundherrn, dem Grafen von Steinfurt, auf diesen Hof gesetzt worden. Eigentlich war dies ja der Pfarrhof, der sognannte Wedem- oder Widemhof, der zur Kapelle in Elte geh\u00f6rte. Und da man wohl \u00fcber lange Zeit f\u00fcr diese Kapellengemeinde, zu der auch die Bauerschaften Heine (Hoene) und Brelage (Bredelage) geh\u00f6rten, keinen Seelsorger finden konnte, setzten die Steinfurter den Bauern \u201eAbelmann\u201cauf diesen Hof. Das sollte dann sp\u00e4ter, als man eine Pfarrei gr\u00fcnden und einen Pfarrer nach Elte holen wollte, zu gro\u00dfen Schwierigkeiten f\u00fchren.<br><br>Die erste Nachricht \u00fcber diesen Hof erhalten wir in der Markenrolle von 1469, wo\u201ede Wedem hove\u201c mit den anderen Markenberechtigten in der Elter Mark aufgef\u00fchrt wird.Wir vermuten, dass die Edlen von Steinfurt die erste Kapelle in Elte als Eigenkirche erbauten und zur Versorgung eines Geistlichen\u201eden Wedemhof\u201c begr\u00fcndeten. Dabei kann es sein, dass sie eine bereits vorhandene Hufe der Kapelle \u201ewidmeten\u201c. Durch die Zerst\u00f6rung der Schwanenburg 1343 war der Einfluss der Steinfurter in diesem Raum zun\u00e4chst zur\u00fcckgedr\u00e4ngt worden, doch durch den Erwerb des Hofes \u201eSchulte to Elte\u201c und des Hofes Bockolt \u201eup de Emese\u201cim Jahre 1373 fassten sie wieder Fu\u00df in Elte. Vielleicht versuchten sie, durch die Gr\u00fcndung einer Kapellengemeinde Einfluss auf die Bauern zu gewinnen.<br><br>Doch erst in einer Urkunde vom 13. Juli 1587 wird die Kapelle namentlich erw\u00e4hnt. In dieser Urkunde, wo es um die Eink\u00fcnfte f\u00fcr die Kapelle geht, werden wir mit den Auswirkungen der Reformation in diesem abseits gelegenen Winkel unserer Heimat konfrontiert. Die Bauern geben an, zu ihren Lebzeiten sei in der Kapelle keine Messe mehr gefeiert worden. Von jeher sei der Pfarrer von Burgsteinfurt verpflichtet gewesen, alle vierzehn Tage die Messe zu lesen und auch zu predigen. Dies t\u00e4te er nunmehr seit \u00fcber drei\u00dfig Jahren nicht mehr. Er bekomme aber nach wie vor vier Molt Roggen vom Wedemhof, den Abelmann bewohne.<br><br>Ihre Eltern h\u00e4tten vor ca. 30 Jahren einen Herrn von Bentlage, \u201eHerr Egbert genannt\u201c, gewinnen k\u00f6nnen, der bereit gewesen sei, \u201eauf ihrer Kirchmess als auch am Sonntag vor Grevener Markt und dazu auch zu Hochzeiten die Messe zu feiern und die Predigt zu halten.\u201c Doch solche Feiern seien vom Pfarrer von Burgsteinfurt verboten worden.<br><br>1544 traten die Edlen von Steinfurt zum protestantischen Glauben \u00fcber und mit ihnen auch der Pastor von Burgsteinfurt. Es kann sein, dass dieser noch eine Zeit lang seiner Pflicht und Gewohnheit in Elte nachgegangen ist, aber sp\u00e4testens nach dem \u201eAugsburger Religionsfrieden\u201c damit aufh\u00f6rte, weil nach diesem Vertrag der Landesherr \u00fcber die Konfession der Untertanen entschied. Landesherr war der F\u00fcrstbischof von M\u00fcnster. Das erkl\u00e4rt auch, weshalb der Archidiakon von Elte nach Angaben der Bauern \u00fcber zehn Jahre mit den Steinfurtern einen Rechtsstreit gef\u00fchrt habe.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Der Wedemhof blieb im Besitz der Grafen, der Abelmann ihr H\u00f6riger. Auch \u00fcbten sie weiterhin das Patronatsrecht \u00fcber die Kapelle aus. Dies wurde formal erst im Jahre 1959 aufgehoben.<br><br>Kirchenrechtlich geh\u00f6rte Elte noch zur Pfarrkirche in Rheine. \u201eSie pflegten allda (in Elte) nicht zu kommunizieren, sondern das t\u00e4ten sie in Rheine\u201c, hei\u00dft es in dem Bericht von 1587.<br><br>Ab 1621 gibt es wieder offizielle Gespr\u00e4che \u00fcber die seelsorgliche Situation in Elte. Das Dorf soll einen residierenden Pastor bekommen, und es wird abgefragt, was denn die Bauern zur Unterhaltung des Pastors leisten k\u00f6nnen. Vor allem auch wird die Frage nach einer Wohnung gestellt. Die Bauern erinnern sich an Abelers Wohnung, die sei \u201egeprauchet\u201c worden als Wedemhof und sei auch anders als die anderen Bauernh\u00e4user eingerichtet und ausgestattet gewesen. Und sie erheben die Forderung, der Abeler m\u00fcsse diese Wohnung freimachen f\u00fcr den \u201eSeelsorgeren\u201c. Doch der Abeler hat den Grafen von Steinfurt im R\u00fccken. Er l\u00e4sst sich so leicht nicht von der Hofstelle vertreiben. Inzwischen bekommen die Beteiligten wohl den Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg zu sp\u00fcren. Wieder gehen Jahrzehnte ins Land. Erst 1648 h\u00f6ren wir wieder davon. Der Pastor Schade, der inzwischen in Elte \u201eresidiert\u201c, f\u00fchrt gegen Abeler einen Prozess. Es geht nicht mehr um die Wohnung. Das Thema scheint erledigt zu sein. Es geht vielmehr um die Naturalien, die vier Molt Roggen, die der Abeler noch immer an die Steinfurter liefert. Der Pastor jedoch ist der Meinung, dass diese ihm, dem Pfarrer, zustehen. Ein wenig sp\u00e4ter erfahren wir, dass die Bauern von Elte und Heine dem Pastor eine neue Wohnung gebaut haben, ein wenig abseits, am Rande der Elter Mark.<br><br>Im August 1676 endlich wird der Schlussstrich gezogen. Der Graf von Steinfut\/Bentheim-Tecklenburg \u00fcberl\u00e4sst dem Pastor von Elte das Halberbe Abeler f\u00fcr 100 Thaler. Jetzt ist Abeler H\u00f6riger des Pastors von Elte.<br><br>Nach der S\u00e4kularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird Abeler Eigent\u00fcmer dieses ehemaligen Wedemhofes, zu dem laut Urkataster von 1828 etwa 30 Morgen Ackerland und Weide geh\u00f6rten. Doch nach dem Tod von Josef Abeler am 15. Juni 1857 geht das Erbe durch Wiederheirat seiner Witwe in andere H\u00e4nde \u00fcber. Der neue Gast- und Landwirt Heinrich Brinkmann, genannt Bockholt, nannte sich fortan Abeler. Einer seiner S\u00f6hne, Julius Abeler, wurde Lehrer in Ahlen. Er verfasste die plattdeutsche Erz\u00e4hlung \u201eIemskinner\u201c und widmete sich sehr intensiv der Heimatpflege. Dessen Bruder Alwin Bockolt, genannt Abeler, erbte das Anwesen, verkaufte es aber schon 1913 an G\u00fcnnewich. Dieser versuchte sich einige Jahre als Gastwirt und Bauer, \u201ewurde aber nicht recht warm im Dorf\u201c. Schon 1917 verkaufte er den Besitz an Bernhard W\u00e4ltring aus Altenberge. Dieser war ein echter M\u00fcnsterl\u00e4nder. Er gabder Gastwirtschaft den Namen \u201eSplenterkotten\u201c und wurde selbst der \u201eSplenterk\u00f6tter\u201c genannt. Am Hausgiebel hat er seinen Wahlspruch anbringen lassen:<br><br>Kiek jeden liekut in`t Gesicht Un krup nich \u00e4chtern Hagen. De schlechsten Fr\u00f6chte sind et nich, woran de Wespen naget.<br>Laot di von de, well di nix g\u00fcnnt, to`t Tietverdriew nich foppen. All Gr\u00e4ss, wat hier to Hai w\u00e4tt s\u00fcnnt, kann \u00fc\u00f6hr de Muul nich stoppen.<br><br>\u00dcber ihn werden heute noch originelle Anekdoten erz\u00e4hlt. Als er im Jahre 1936 das Zeitliche segnete, \u00fcbernahm sein Sohn Josef (Seppel) das Erbe. Dieser war hauptberuflich Viehkaufmann und verpachtete die Gasst\u00e4tte 1938 an Bernhard Brinkmann. Die Familie Brinkmann, heute Inhaber der Gastst\u00e4tte \u201eZum Hellh\u00fcgel\u201c, war 22 Jahre Wirt auf dem Splenterkotten. Die Landwirtschaft wurde mit dem neuen Domizil der Familie W\u00e4ltring auf die \u201eHorst\u201c verlagert. Im Jahre 1961 \u00fcbernahm Hubert W\u00e4ltring in der dritten Generation die Gastwirtschaft. Er und seine Frau Johanna (Henny) standen vor schwierigen Aufgaben. Aus der alten Dorfsch\u00e4nke sollte ein den Bed\u00fcrfnissen der Zeit angepasstes Gasthaus werden.\u00a0 Die Leute nicht mehr nur ein Bier trinken, sie gingen auch gern mal aus zum Essen. Sie wollten in kleinen und gro\u00dfen Gesellschaften feiern. Es mussten R\u00e4umlichkeiten neu gestaltet bzw. neu geschaffen werden. Der \u201eKotten\u201c bekam nach innen wie nach au\u00dfen allm\u00e4hlich ein neues Gesicht. So wurde aus der Schankwirtschaft ein weithin bekannter Gasthof. Seit 1996 stehen Markus und Christel W\u00e4ltring diesem Hause vor. Auch sie sind gehalten, das Haus immer wieder den Erfordernissen der Zeit bzw. dem Geschmack der G\u00e4ste anzupassen. So wurde zuletzt aus dem ehemaligen Tanzsaal ein Licht durchstr\u00f6mter Glanzsaal mit freiem Blick auf die Dorfkirche.<br><br>Elte, den 12. Mai 2010 Theo Weischer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Gasthof \u201eZum Splenterkotten\u201c in Elte ist \u00fcber die Grenzen des Dorfes hinaus bekannt. 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