Kuernachmittag "versinkt" im Hochwasser

map – Trotz der glatten Straßen kamen am Donnerstag 20 Mitglieder des Heimatvereins Elte in die gute Stube des Vereins, das Heimathaus, um sich über das Hochwasser im Winter 1945/46 zu unterhalten. Egon Plugge hatte das Herrdfeuer angeheizt und zunächst ließen sich alle Kaffee und Weggen gut schmecken.

Heinz Hörsting hatte die Daten des Hochwasserwinters nach dem Krieg zusammengetragen. Die überwiegend älteren Teilnehmer tauchten gedanklich in die Vergangenheit ein und nach Ende des Vortrages konnte jeder noch eigene Erinnerungen zum lebhaften Gespräch beitragen. Der Winter 1945/46 war von viel Regen geprägt. Die Trümmer der gesprengten Brücken entlang der Ems verhinderten, dass das Wasser zügig ablaufen konnte. So kam es dann im Februar 1946 zu den dramatischen Wasserständen. Auf der Brückenstaße stand das Wasser bis hoch zur Südstraße und auch der Dorfplatz stand unter Wasser, denn als Folge des Emshochwassers führte auch der Elter Mühlenbach viel mehr Wasser. Auf den Höfen ertranken viele Tiere. Auf dem Hof Bockholt direkt an der Ems gelegen, waren es allein 32 Milchkühe. Die Pferde konnten sich durch eigenen Instinkt oft retten. Auch eine Sau hatte sich in die Upkamper gerettet und wurde dort, die Vorderpfoten auf der Sofalehnen stehend, vorgefunden. Auf dem Hof Teigelkamp stieg das Wasser pro Stunde eine Treppenstufe. „Teigelkamps konnten zum Glück das Vieh retten", erinnert sich Heinz Hesping. „Dafür wurden in einer Nacht alle Hühner gestohlen." Martha Hörsting hat noch vor Augen, wie der Bratentopf mitsamt dem darin befindlichen Braten davonschwamm. Bei Familie Kellers war das „beste Geschirr" im Keller versteckt, der natürlich auch komplett unter Wasser stand. Bei den Aufräumarbeiten freute sich die Familie, denn nichts war zerbrochen, weil das Schränkchen mit dem Geschirr langsam im Wasser umgefallen war. „Dann hatten Kellers ja die erste Spülmaschine in Elte", war der humorvolle Kommentar zu dieser Begebenheit. Viele kleine Geschichten wurden an diesem Nachmittag erzählt und mit dem Abstand der Jahre konnte auch viel gelacht werden. Aber es kann sich heute niemand mehr die Not der Menschen in der damaligen Zeit vorstellen, die nach dem Ende des Hochwassers mit Handwagen und Äxten kamen, um die verendeten Tiere zu bergen und noch verwertbares Fleisch herauszuschneiden.

Schön wäre es, wenn mehr jüngere Elteraner die Gelegenheit wahrnehmen würden, die Geschichten aus der jüngeren Vergangenheit von Zeitzeugen berichtet zu bekommen. Der nächste Küernachmittag findet am 4. März um 15 Uhr im Heimathaus statt. Das Thema wird noch bekannt gegeben.

 

Marion Piepel